
Alles begann im Jahr 1893 - der Seifensieder Robert Bessmer meldete in
Stuttgart seine selbst hergestellten Seifen und Waschpulver unter dem Name "Schneehaase" beim Patentamt an.
Damit sicherte er sich alle Rechte für seine Produkte. In den folgenden Jahren florierte sein Geschäft,
bis er es 1908 an David Reinhardt in Stuttgart verkaufte. Der neue Inhaber gab der Firma den Namen
"David Reinhardt - Robert Bessmers Nachfolger - Schneehaase seit 1893".
Doch wo die Schneehaase-Reinigungsmittel künftig herstellen? Da David
Reinhardt Anteile der Firma ENZIAN Seifenfabrik G.A. Bazlen in Metzingen besaß, lag es nahe, dass
Bazlen die Produktion übernahm. Über Außendienstmitarbeiter gelangten die Schneehaase-Artikel dann zu
Einzelhändlern, Großverbrauchern und Haushaltungen.
 
1920 bot David Reinhardt seinem Bruder Daniel die Zusammenarbeit für
Schneehaase im Unterland an. Daniel gab daraufhin seinen Beruf als Werkmeister auf und gründete in
Heilbronn seine eigene Firma "Daniel Reinhardt - Schneehaase - Erzeugnisse seit 1893".
Am Anfang besuchten Daniel Reinhardt und einige Außendienstmitarbeiter
vor allem Privatkunden im Raum Heilbronn. Die Auslieferung übernahm Daniel Reinhardt selbst in einem
Pferdefuhrwerk. Später schaffte er sich dann einen "Brenabor LKW" an, damals eine kleine Sensation.
Das Geschäft lief so gut, dass Daniel Reinhardt in den 30er Jahren dringend Verstärkung brauchte:
er begeisterte seinen Sohn Erich, bis dahin Geschäftsführer bei Otto Mau (Margarine) in Erfurt,
dafür, in die väterliche Firma einzusteigen.
 
Das Stuttgarter Unternehmen von David Reinhardt hatte sich
unterdessen rasch über ganz Württemberg ausgeweitet. Anfang der 30er Jahre holte sich David Reinhardt,
zeitgleich mit seinem Bruder Daniel in Heilbronn, weitere Unterstützung: er stellte seinen Bruder
Theo als Geschäftsführer ein. Theo hielt diese Position bis 1942, dann aber wurde er zum
Kriegsdienst eingezogen und nach Rumänien beordert. Von dort ist er nie zurückgekehrt.
Ab 1945 übernahmen die beiden Schwiegersöhne David Reinhardts -
Dr. Egon Braun und Herr Henrichsmöller - die Geschäftsleitung des Stuttgarter Unternehmens. Die
Umsätze gingen in den ersten Nachkriegsjahren stark zurück, doch wichtige Geschäftsverbindungen
wurden erhalten. Vor diesem Hintergrund nahm Dr. Braun 1948 Verbindung zu Helmut Reinhardt in
Heilbronn auf und bot ihm die Geschäftsleitung des Schneehaase-Unternehmens an.
Helmut Reinhardt teilte sich bis dahin mit seinen Brüdern Erich
(Leitung, Prokura) und Ernst (Außendienst) die Aufgaben im Heilbronner Geschäft, wobei Helmut
sich um den Einkauf kümmerte. Im Einverständnis mit seinen Brüdern stieg er bei Schneehaase in
Stuttgart ein. Als guter Einkäufer erweiterte er zunächst das Sortiment: alle ENZIAN-Reinigungsmittel
von Bazlen wurden bald auch unter dem Name Schneehaase vertrieben. Hinzu kamen Bohnerwachse und
Schuhcreme der Firma Weiblen, Wachswarenfabrik in Metzingen-Neuhausen.
Parallel zur Ausweitung des Sortiments wuchs der Kundenstamm. Neben
Aufträgen von Privatkunden führten Bestellungen von Großverbrauchern (Krankenhäuser, Stadtverwaltungen,
Hotels und Gaststätten) dazu, dass im süddeutschen Raum mehrere Generalvertretungen
gegründet wurden.
1958 erwarb Helmut Reinhardt das Unternehmen "David Reinhardt
KG - Schneehaase seit 1893". Bis 1967 war die Firma in Stuttgart beheimatet, 1968 wurde ein
Neubau in Leonberg bezogen. Bereits vier Jahre später hatte sich das Bild grundlegend gewandelt;
die Konkurrenz wurde so mächtig, dass Helmut Reinhardt sich dazu entschloss, das Unternehmen
zu verkaufen. Bazlen in Metzingen übernahm alle Großverbraucherkunden und den gesetzlich geschützten
Markenbegriff "Schneehaase".
 
In Heilbronn florierte unterdessen das Geschäft: Erich Reinhardt
kümmerte sich um den Laden in der Bismarckstraße, der inzwischen ein Sortiment mit über 5000 Artikeln führte.
Sein Bruder Ernst war anfangs mit einem alten Mercedes-Bus, ab 1975 mit dem "Rollenden Kaufhaus", im
Heilbronner Landkreis unterwegs. Dort bot er neben Schneehaase-Artikeln auch Körbe, Besen,
Haushaltsartikel aller Art, aber auch Spielzeug an.
Seifen-Reinhardt wurde weiter von Bazlen mit den Schneehaase-Artikeln
beliefert und ist bis heute der letzte verbleibende Vertriebspartner für diese Produkte.
Die Jahre gingen auch an Seifen-Reinhardt nicht spurlos vorüber:
1993 wurde das "Rollende Kaufhaus" sesshaft, nachdem der inzwischen 80-jährige Ernst Reinhardt
aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auf Tour gehen konnte. Das Ladengeschäft unter der Leitung von
Erich Reinhardt und seinem Sohn Hans, der praktisch im Laden aufgewachsen war, wurde in bewährter
Weise weitergeführt.
Mit den Jahren wurde in der Bismarckstraße umgebaut und erweitert.
Ein großer Schritt erfolgte 1989 mit dem Bau der Garage am Ende des Hofs, um zusätzliche
Lagerfläche zu schaffen. An der Schwelle zum neuen Jahrtausend stemmte Hans Reinhardt einen
weiteren Kraftakt mit der Aufstockung des bisherigen Ladengeschäfts und zusätzlicher Verkaufsfläche
im ersten Stock des bisher nur als Wohnhaus genutzten Backsteingebäudes.
1995 feierte Seifen-Reinhardt sein 75-jähriges Bestehen.
Zahlreiche Gratulanten gaben sich ein Stelldichein in dieser Heilbronner Institution, selbst das
Fernsehen sagte sich zum wiederholten Mal an. Mit seinen 86 Jahren war Erich Reinhardt stets
inmitten des Trubels zu finden. Bis zu seinem Tod im Jahr 1999 arbeitete der mittlerweile
90-Jährige unermüdlich im Geschäft mit.
Nach seinem Tod führt sein Sohn Hans, unterstützt von mehreren
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, das Geschäft in bewährter Weise weiter. Bis heute erfreut sich
Seifen-Reinhardt mit seinem reichhaltigen Angebot und seiner individuellen Beratung großer
Beliebtheit bei Alt und Jung.
|